Darum solltest du (k)einen Altdeutschen Mops haben

Herzlich Willkommen!

Heute erzählt euch Sarah von Naturkraxler mehr über die Rasse “Altdeutscher Mops”. Viel Spaß beim Lesen!

Charakterzüge der Rasse

Jede Hunderasse hat seine ganz eigenen Vorurteile, mit denen sie sich ärgern muss. Der Mops allerdings ist quasi der Inbegriff des Vorurteils. Ein Mops bekommt von Haus aus keine Luft, hat Glubschaugen, die bei Anstrengung aus den Augenhöhlen fallen können, ist fett und generell völlig überzüchtet. Vieles davon ist aber tatsächlich leider wahr. Beziehungsweise es WAR wahr. Verantwortungsbewusste Züchter setzen sich nämlich zunehmend für die Gesundheit dieser Rasse ein und züchten Hunde mit einem größeren Fang, mit einer kleiner Nasenfalte und mit einem agileren Körperbau. 

Und genau das braucht ein Mops. Einen gesunden Körper und eine Nase, durch die er genug Luft bekommt. Denn anders als Medien und die generellen Vorurteile uns glauben machen wollen, stecken diese kleinen Kerle voller Energie, die raus will. Man stelle sich nun einen quirligen kleinen Mops vor, der sich den ganzen Tag über aufs Toben und Rennen freut. Und dann steht er draußen, das freie Feld vor ihm und er kann nicht. Zum einen, weil er keine Luft bekommt, da seine nicht vorhandene Nase halb durch die viel zu dicke Nasenfalte überdeckt wird. Und zum anderen, weil es ihm seine Körpermasse durch zu viel Futter und zu wenig Bewegung schlicht und ergreifend unmöglich macht, das zu tun, was in seiner Natur liegt. Toben und sich des Lebens freuen. 

Natürlich ist das ziemlich überspitzt ausgedrückt. Oder…?! Es gibt mit Sicherheit Möpse nach dem „klassischen Vorbild“, die kerngesund sind. Ich persönlich kann nur über meine Beobachtungen auf verschiedenen Mopstreffen meine Rückschlüsse ziehen und über meine eigenen Erfahrungen mit altdeutschen Möpsen berichten.
Ich bin mir sicher, einige Leser haben vom Begriff des Retro- Mopses und des altdeutschen Mopses noch nie gehört. Deshalb ein paar sehr vereinfachte Sätze hierzu: Ziel beider Zuchtlinien ist es, dem Mops zu einer längeren Nase und zu größeren Nasenlöchern zu verhelfen und damit zu mehr Vitalität. Der Retro- Mops kreuzt hierzu Fremdrassen, wie beispielsweise den Parson Russel, mit ein. Im Gegensatz dazu ist der altdeutsche Mops reinrassig, die Zielerreichung dauert hier aber natürlich um einiges länger.

Meine beiden Möpse, Maja und Max, wurden nach dem altdeutschen Vorbild gezüchtet. Das heißt, beide sind reinrassige Möpse, jedoch mit einer längeren Nase, längeren Beinen und einer sehr sportlichen Figur. Bei beiden wird geflitzt, gespielt gerannt, nach Lust und Laune, wie bei jedem anderen Hund auch. Dass es mit einer langen Nase aber nicht getan ist, sehe ich deutlich, wenn ich meine beiden Möpse vergleiche. Maja hatte noch nie Probleme mit dem Atmen, ein leises Hecheln huscht ihr höchstens bei großer Anstrengung oder Hitze über die Lippen. Max hingegen musst bereits das Gaumensegel gekürzt werden und er hat deutlich mehr „mopstypische“ Probleme (die beiden stammen aus verschiedenen Zuchthäusern).

Der Ursprung der Rasse geht auf etwa 400 v. Chr. zurück. Aufzeichnungen zufolge hatte der Mops einen festen Platz in diversen Königshäusern. Und das merkt man bis heute. Der feste Sitzplatz eines jeden Mopses ist auf dem Schoß eines Menschen. Dabei muss es nicht unbedingt der Schoß des eigenen Herrchens/Frauchens sein. Auch auf den Schoß des Besuchs wird Anspruch erhoben und hierbei können die kleinen Fellnasen auch recht penetrant sein. Der herzerweichende Blick und die nach hinten geklappten Ohren tun ihr Übriges zur Erreichung der Ziele. Wer kann da widerstehen? Dass sie recht leidend schauen können, wissen sie übrigens ganz genau. Ist man diesen Blick nicht gewöhnt, so ist es recht schwierig, konsequent zu bleiben. Hinzu kommt die absolute Sturheit des Hundes. Ich habe selten einen stureren und hartnäckigeren Hund gesehen, wie es ein Mops sein kann.

Zur Sturheit kommt die Intelligenz. Auch wenn sie etwas treudoof aussehen, so haben sie es faustdick hinter den Ohren und werden oft unterschätzt. Unglaublich, dass in so einem kleinen Köpfchen so viel Intelligenz stecken kann. Und genau aus diesen Gründen gibt es so viele Möpse, die absolut keine Erziehung genossen haben. Einen Mops zu erziehen bedeutet einen langen Atem, ungebrochene Konsequenz und Immunität gegen diesen Blick.
Ein Mops schenkt dir sein ganzes Herz und seine ganze Liebe und würde dir am liebsten den ganzen Tag auf Schritt und Tritt folgen. Nicht umsonst gehört er laut FCI zur Kategorie der Gesellschafts- und Begleithunde.
Um Gewässer wird, wenn möglich, einen riesigen Bogen gemacht. Wenn überhaupt werden maximal beim Trinken am Bach die Pfoten gekühlt. Sobald allerdings das kühle Nass den Bauch berührt, wird panikartig das Weite gesucht. Blöd nur, wenn man so schrecklich neugierig ist. So kam es schon das ein oder andere Mal vor, dass meine Möpse ausversehen im Wasser landeten und Schwimmen mussten, weil sie sich vor lauter Naseweis vergessen hatten. Ein absoluter Alptraum für Maja und Max, schwimmen zu müssen, obwohl sie es gut können.

Vereinzelt gibt es aber auch Wasserratten unter den Möpsen, pauschal kann man also nicht sagen, dass der Mops kein Wasser mag. Ich stelle aber die Behauptung auf, es ist die Minderheit. Insbesondere bei Regen braucht ein Mops viel Motivation, Lob und Überredungskunst, das Haus zu verlassen.

Training

Trotz aller Intelligenz, können meine Hunde nicht einen Trick, womit wir wieder bei der Sturheit angelangt wären. Vermutlich habe ich dafür auch einfach nicht die nötige Geduld. Jedenfalls schaut mich Maja jedes Mal mit blankem Entsetzen an, wenn ich mir eine ihrer Vorderpfoten schnappe und ihr liebevoll das Kommando „Pfötchen“ ins Ohr säusle. Max hat derweil nur Augen für das Leckerli in meiner Hand und stellt komplett auf Durchzug. Es gibt sie aber, die Möpse, die winken, Pfötchen geben und sich totstellen können. Ich hingegen bin froh, wenn meine Hunde die Grundkommandos können. Das Abrufen funktioniert bei uns sehr gut, selbst wenn ein fremder Hund bereits in Sicht ist. Okay, ich muss immer mindestens zweimal, eher dreimal rufen. Aber hey, sie kommen! Beim Laufen gehen sie prinzipiell nur so weit von mir weg, dass sie mich noch gut sehen können. Ein Jagdtrieb ist beim reinrassigen Mops durch jahrhundertelange Überzüchtung komplett abhandengekommen. Vor einem Reh rennen sie eher davon, als es zu jagen.

Getrieben von seiner unstillbaren Neugierde tippelt der Pattex-Mops seinem Besitzer immer und überall hinterher. Intimsphäre wird gänzlich überbewertet und so verfolgt Max mich sogar bis aufs Klo, wenn er darf. Im ersten Moment klingt das auch wirklich süß, es artet aber recht schnell in Stress aus. Auf beiden Seiten. Während der Mops permanent in Habachtstellung ist, obwohl er naturgemäß sein halbes Leben verschlafen würde, stellt man sich selbst irgendwann die Frage, wann man das letzte Mal allein auf dem Klo saß oder ohne Mops in der Küche stand. Bereits im Welpenalter habe ich Max beigebracht, dass er im Körbchen bleiben und sich eben nicht in meinen Schatten verwandeln soll. Das funktioniert meist ganz gut, bis die Neugierde und Sturheit irgendwann doch siegt und ich ihn wieder daran erinnern muss, dass Schlafen besser ist, als Überwachung.

Was bei uns eine unendliche Geschichte ist, ist das Training der Impulskontrolle. Vor allem Max hat damit große Probleme. Er versteht beispielsweise nicht, warum er sein Futter nicht sofort aus dem Kühlschrank bekommt, sondern warten muss, bis es Zimmertemperatur hat. Da wird sich dann penetrant neben mich gesetzt und in den höchsten Tönen gepiepst. Und das kann er wirklich gut und ausdauernd. Maja hingegen „leidet still“ und lässt mich aus der Distanz nicht einen Moment aus den Augen.

Vor- und Nachteile der Rasse

Ein klarer Vorteil ist das liebe Gemüt dieser Rasse. Ein jeder wird als Freund und potentieller Spielgefährte angesehen. So meinte Maja einmal, voller Freude auf einen zähnefletschenden Rüden zuzulaufen, um mit ihm zu spielen. Rüde und ich waren „not amused“. Möpse sind sehr freundlich und jedem zugetan. Nicht umsonst werden sie die Clowns unter den Hunden genannt.

Gesicht und Körper des Mopses werden allerdings von vielen Hunden falsch verstanden, sodass es häufig zu Missverständnissen kommt. Die großen Augen, der aufgestellte Ringelschwanz, das oft laute Schnaufen, das mit einem Knurren verwechselt werden kann, und die forsche Art des Mopses stoßen bei manch einem anderen Hund nicht gerade auf Gegenliebe, beziehungsweise verwirren ihn. So ist bei Begegnungen mit fremden Hunden prinzipiell Vorsicht geboten, zum Schutz des Mopses.
Obwohl nicht zu sehen (nicht mal mit viel Phantasie), wird die Rasse zu den Molossern gezählt. Das führt dazu, dass der Mops zu Größenwahnsinn tendiert und es auch mit den großen Hunden beim Spielen aufnimmt oder große Hunde aus der Ferne voller Inbrunst anbellt. Aggression ist ihm allerdings ein Fremdwort.

Ein Mops ist zudem äußerst loyal, meistens jedenfalls. Wenn es drauf ankommt, würde Max mich mit seinen ganzen 9 Kilo und seinem süßen Gebell verteidigen, da bin ich mir sicher. Maja hingegen würde mich vermutlich ohne mit der Wimper zu zucken gegen ein Stück leckere Wurst eintauschen, wenn sie könnte. Meine liebe Maja ist nämlich der verfressenste Hund. Ein Labrador gefangen im Mopskörper sozusagen. 

Als Nachteil sehe ich das ganzjährige Haaren an. Mich wundert es immer wieder, dass meine Hunde noch nicht nackt sind, so viel Fell wie sie verlieren. Einmal gestreichelt, sind Hände und Kleidung voll von den kleinen, stacheligen Borsten, die sich tief ins Jeansgewebe bohren und dort nie wieder rausgehen. Unser Kofferraum im Auto ist schon lange nicht mehr schwarz, sondern beige gesprenkelt. Selbst ein intensives Aussaugen kann so einem Mopsglitzer nichts anhaben. Gerüchten zufolge haaren schwarze Möpse weniger, das kann ich nicht bestätigen. Jede Woche müssen sie intensiv gebürstet werden und sie mögen es so gar nicht. Wer sich also an Hundehaaren stört, für den ist ein Mops definitiv nicht geeignet. 

Den größten Nachteil sehe ich darin, dass der Mops eine absolute Modeerscheinung ist. Sein Kindergesicht und die süßen Knopfaugen lassen so manches Herz höherschlagen. Sehr zum Leidwesen des Hundes. Insbesondere in osteuropäischen Ländern werden Modehunde unter widrigsten Bedingungen als „Wurfmaschinen“ gehalten, wo es nur darum geht, möglichst billig viele Welpen zu „produzieren“. Mit Erfolg. Der Markt boomt. Bei diesen „Züchtungen“ von Billigwelpen wird nicht auf die Gesundheit geachtet oder ob die Elterntiere Vorerkrankungen haben. Was nützt es den neuen Mopsbesitzern, einen Welpen für unter 400 Euro zu bekommen, um dann mehrere hundert Euro in Tierarztkosten zu stecken und diesen Schwarzmarkt zu unterstützen? 
Ich appelliere an jeden, der sich für einen Mops interessiert, sich ausreichend vorab über die Rasse, mögliche Erbkrankheiten und gute, vertrauenswürdige Züchter zu informieren! Und auch, einmal über den Tellerrand zu schauen und sich über die Alternative zum „Standardmops“, über den altdeutschen Mops und über den Retro- Mops zu informieren. 

Wem würdest Du zu dieser Rasse raten

Auch wenn man es vermuten würde, ein gesunder Mops ist ganz und gar kein Rentnerhund. Entscheidet man sich für diese Rasse, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass er viel Auslauf und geistige Auslastung braucht. Ich möchte definitiv keine Werbung für diese Rasse machen, gibt es doch zu viele schwarze Schafe unter den Züchtern. Und gibt es doch viel zu viele „Notmöpse“, denen ihre Besitzer überdrüssig geworden sind, weil sie vielleicht doch zu aktiv oder zu krank sind. 

Ich rate denjenigen zu dieser Rasse, denen bewusst ist, dass die Hunde durchaus eine liebevoll-konsequente Hand brauchen, liebesbedürftig und kuschelig sind, unglaublich Haaren und beim Trinken den ganzen Boden unter Wasser setzen. Denen bewusst ist, dass die jahrhundertelange Überzüchtung nicht spurlos an dieser Rasse vorbeigegangen ist. Es kann vorkommen, dass der Mops ein zu langes Gaumensegel besitzt, unter Reflux (= chronisches Sodbrennen) leidet oder einen Hydrocephalus (= Wasserkopf) besitzt, um nur ein paar wenige mögliche Krankheitsbilder aufzuzählen. 
Ein Mops ist ein fantastischer Spielgefährte für Kinder. Manchmal etwas stürmisch, könnte sich mein Sohn wohl keinen besseren Fellfreund als Max wünschen. Hier werden Kuscheltiere auf beiden Seiten, das Körbchen (auch wenn das eigentlich ein Tabu ist, freut sich Max immer über Besuch in seinem Körbchen) und das Essen vom Hochstuhl aus brüderlich geteilt. 
Ein Mopsbesitzer kann sich mehrmals täglich über nasse Mopsküsse freuen, er/sie erhält einen treuen Freund und einen lustigen, feinfühligen Gesellen. Ein Blick auf diesen Hund genügt, um sich an stressigen Tagen gleich wieder besser zu fühlen und ein Lächeln auf das Gesicht gezaubert zu bekommen. 

Wer wir sind und was wir so machen

Mein Name ist Sarah und ich komme aus Oberschwaben in Deutschland. Genauer gesagt wohnen wir zwischen dem Allgäu und dem Bodensee, in der Nähe zur österreichischen Grenze. Zu meinem „Rudel“ gehören mein Mann und mein einjähriger Sohn sowie unsere beiden Möpse Maja und Max. Maja ist beige und 4 Jahre alt, Max ist schwarz und 2,5 Jahre alt. Beide sind waschechte altdeutsche Möpse aus Österreich und halten mich ziemlich auf Trab. Während ich mich nach wie vor frage, ob Maja jemals satt sein wird und wann Max den Absprung aus der immerwährenden Pubertät schafft, verbringen die zwei ihre Zeit am liebsten mit Schlafen, Toben und mit meinem Sohn spielen. Jedenfalls Max.
In unserer Freizeit gehen wir sehr gerne in Vorarlberg, in den Alpen und im Bodenseekreis wandern. Immer dabei sind natürlich mein Sohn in der Kraxe und die zwei Möpse, die am Berg vermutlich niemand vermuten würde. Unzählige Male kamen andere Wanderer ins Staunen über die mopsfiedele Agilität und Ausdauer der beiden. Um ein für alle Mal mit dem Klischee des dicken, ungesunden Mopses aufzuräumen, betreibe ich einen Blog, auf dem ich gerne über unsere Wanderungen schreibe. Bei uns läuft es meist anders als geplant, aber der Spaß kommt zum Glück nie zu kurz. 

Mein Blog ist noch recht neu, denn ich schreibe erst seit September 2018. Ich möchte allen Mut machen, auch mit kleinem Hund und/oder kleinem Kind wandern zu gehen. Über Besucher und Kommentare auf meinem Blog freue ich mich jederzeit sehr. Hier geht es direkt zum Blog von Sarah: Naturkraxler.de

Bis Bald, eure Lychee mit Gastbloggerin!
PS: Die Bilder im Beitrag sind alle von Sarah!


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