Assistenzhunde: Ausbildung mit positiver Verstärkung – FAIR statt fies

Herzlich Willkommen!

Heute ist es so weit, ich darf meinen Beitrag zur Blogparade FAIR statt fies leisten.
FAIR statt fies ist eine Blogparade bei es darum geht, dass HundebloggerInnen aus dem deutschsprachigen Raum in der Zeit vom 10.10. – 16.11.2019 Artikel rund um einen freundlichen & fairen Umgang mit Hunden veröffentlichen. Wie du weißt, liegt auch mir dieses Thema sehr am Herzen. Genau deshalb trage ich hiermit meinen Teil dazu bei.

Der beste Freund des Menschen

Hunde werden allgemein als “der beste Freund des Menschen” bezeichnet. Sie sind all zu oft nicht nur Familienhunde, sondern eben auch Helfer in Notsituationen. Damit meine ich zum Beispiel Rettungshunde, Lawinensuchhunde, Therapiebegleithunde, oder eben auch Assistenzhunde. Natürlich gibt es noch andere Hunde mit Jobs; dazu zählen zum Beispiel Polizeihunde, Jagdhunde, Wachhunde oder ähnliches.

Diese Hunde sind somit nicht nur mehr “bester Freund”, sondern auch Arbeitshunde. Genau hier fangen Menschen oft an zu denken, dass diese Hunde immer funktionieren (müssen)! Doch wie will man das erreichen, wenn man die natürlichen Bedürfnisse der Hunde unterdrückt oder sie nicht für ihre Arbeit belohnt?

Arbeiten: egal wann, egal wo

Vor allem Assistenzhunde haben oft einen wahnsinnig aufwendigen Job. Denn: sie sollen im Prinzip immer und überall arbeiten können. Doch auch sie haben Bedürfnisse wie jeder andere Hund: Kontakt zu Artgenossen, Spaziergänge wo nicht gearbeitet wird, Pippi und Kacki, Fressen, Trinken, Spielen (auch mit dem Menschen!), uvm.

Damit Assistenzhunde ihren Job verlässlich ausführen ist es also zunächst wichtig, dass ihre Grundbedürfnisse gedeckt sind. Ist dies erledigt, kommt es zum Erlernen der Assistenzaufgaben, der Alltagstauglichkeit und anderen Dingen. Genau hier greifen leider immer noch viele Menschen zu aversiven Mitteln.

Als Lychee bei mir eingezogen ist war ich selbst “Anfängerin”. Ich traf auf eine Trainerin die mir damals empfohlen hat, für die Leinenführigkeit eine Retrieverleine zu kaufen und den Stop so einzustellen, dass Lychee in jedem Fall gewürgt wird. Mein Verstand sagte mir schnell, dass das keine Lösung sein kann, ich blieb weiterhin beim Geschirr 😉 – und wechselte die Trainerin!

Training mit Druck

Doch leider ist das bei der Ausbildung von Assistenzhunden tatsächlich kein Einzelfall. Die Hunde sollen immer und überall funktionieren. Damit sie ihre eigenen Bedürfnisse hinten anstellen, wird ganz oft zu eher unschönen Methoden gegriffen. Das Problem kommt dann aber spätestens beim neuen Assistenzhundebesitzer / der neuen Assistenzhundebesitzerin.

An dieser Stelle müssen wir einen Schritt zurück gehen, denn was ich meine ist folgendes: Viele Menschen mit Handicap können ihren Assistenzhund nicht selbst ausbilden. Deshalb übergeben sie diese Aufgabe an TrainerInnen, die den Hund ausbilden und dann später an den Besitzer / die Besitzerin übergeben, der dann noch die Teamprüfung bestehen muss (Österreich; zuvor muss der Trainer / die Trainerin mit dem Hund die Qualitätsprüfung bestehen).

Nun ist es so, dass bei der Prüfung meist noch alles problemlos läuft. Der Hund ist noch nicht lange weg vom Trainer / der Trainerin und hat den Druck, mit dem er gearbeitet wurde, nicht vergessen. Doch auch Hunde sind nicht dumm. Wenige Wochen nach den Prüfungen merken sie oft, dass ihre neuen BesitzerInnen gar keine Druckmittel verwenden. Genau dann bricht es aus ihnen heraus. Sie verwandeln sich in stinknormale Hunde, die eben nicht immer funktionieren.
Warum? Das kann natürlich zum einen an falscher / fehlender Auslastung liegen, aber zum anderen eben auch daran, dass die aversiven Mittel die beim Trainer / der Trainerin noch zum Einsatz kamen, plötzlich nicht mehr da sind. Denn: diese TrainerInnen werden nicht zugeben, dass sie oft sogar bereits verbotene Hilfsmittel verwenden!

Training mit positiver Verstärkung

Dass das der falsche Weg ist um einen verlässlichen Hund auszubilden ist wahrscheinlich jedem der diesen Blogpost liest klar. Trotzdem möchte ich euch erzählen, was unser Weg war. Es gibt nämlich eine Sache, die jeder Hundebesitzer mit Handicap hinbekommt – das “Capturing”.

Capturing bedeutet, einfangen von natürlichem Verhalten. Das heißt, ein “Sitz” oder “Platz” kann man ganz einfach capturen. Genau so ein Gehen an lockerer Leine. Denn: jeder Hund zeigt dieses Verhalten früher oder später – vor allem Welpen! Natürlich sieht das ganze mit Assistenzaufgaben schon wieder ganz anders aus, wobei es auch hier Dinge gibt, die Hunde oft von sich aus anbieten. Einem zukünftigen Assistenzhund Grundkommandos beizubringen ist aber durch Capturing durchaus möglich – und dafür braucht es keine Druckmittel.
Wie man das macht?
Man konditioniert den Hund zunächst auf ein Klickgeräusch oder Markerwort / Markergeräusch. Wenn der Hund sich dann in der Wohnung hinlegt, macht man dieses Markergeräusch und gibt ihm dann ein Leckerlie. Anfangs ist es egal – vor allem beim Training mit Welpen – wenn der Hund nach dem Geräusch die Position verlässt um an das Leckerlie zu kommen. Mit der Zeit wird der Hund ausprobieren, wofür er nun das Markergeräusch bekommen könnte und dadurch das Verhalten immer wieder, sowie auch länger zeigen. Man kann ihn dann also irgendwann auch in der gewünschten Endposition belohnen, sowie ein Wortkommando einführen. Aber das würde hier nun zu viel Platz einnehmen.

Was ich damit sagen möchte ist, dass es keine Druckmittel braucht um einen verlässlich arbeitenden Assistenzhund zu bekommen, sondern die richtige Motivation!

“Wieso soll ich für dich arbeiten, wenn du nicht auf mich achtest?”

Genau so könnte die Frage eines Assistenzhundes lauten, welcher mit Druck erzogen wurde und welcher nie Kontakt zu Artgenossen hat oder eben nie für seine Aufgaben belohnt wird.
Assistenzhunde sind genau so Hunde wie unsere Familienhunde. Damit sie alltagstauglich sind brauchen sie unser Vertrauen. Sie wollen spüren, dass wir uns auf sie verlassen ohne ein “As im Ärmel” zu haben.

Wo würdest du lieber arbeiten?

Stell dir vor, du hast einen Bürojob. Du bekommst jeden Tag eine neue Aufgabe. Nach der erledigten Aufgabe bekommst du kein Lob, sondern dir wird nur vorgehalten was du besser machen hättest können und zusätzlich dazu wird dir gesagt, dass ein Teil deines Gehaltes gestrichen wird.

Nun stell dir vor, du hast einen Bürojob. Du bekommst jeden Tag eine neue Aufgabe. Nach der erledigten Aufgabe sagt dir dein Chef, dass du dies und jenes toll gemacht hast. Außerdem könntest du einen Zusatzgehalt erreichen, wenn du zum Beispiel dieses und jenes das nächste Mal noch umsetzen würdest.

Na, wo würdest du lieber und vor allem motivierter arbeiten?

Sei FAIR und nicht fies

Du wirst keinen verlässlichen Hund bekommen wenn er nur ständig darauf wartet, den nächsten Anpfiff zu bekommen. Dann bekommst du eher einen unmotivierten und vielleicht sogar ängstlichen Hund, der den Kontakt zu dir meidet.
Du wirst jedoch einen verlässlich arbeitenden Hund bekommen, wenn du ihm zeigst, dass er seine Aufgaben gut ausführt und du außerdem seine eigenen Bedürfnisse nicht außer Acht lässt.

Egal ob Assistenzhund oder sonst irgendein Arbeitshund: jeder Hund (auch ein Familienhund) hat es verdient, FAIR statt fies erzogen zu werden. Jeder Hund ist mal schlecht drauf, jeder Hund hat mal eine Verletzung und braucht Pause, jeder Hund möchte gelobt werden.

Wichtig ist mir an dieser Stelle noch zu erwähnen, dass positive Verstärkung nichts mit Leckerlis in dem Sinn zu tun hat. Positive Verstärkung bedeutet einfach nur, dass man den Hund für sein Verhalten verstärkt und somit belohnt. Das kann so vieles sein! Hier gibt es dazu einen Blogpost von mir: Neue Verstärker

Ebenso wichtig ist es mir zu sagen, dass es in Österreich großartige AssistenzhundetrainerInnen gibt! TrainerInnen, die Assistenzhunde liebevoll ausbilden. Aber leider gibt es eben auch überall die anderen TrainerInnen. Also: Augen auf.

Bis Bald, eure Lychee mit Frauchen!

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