Darum solltest du (k)einen Ca de bestiar haben

Herzlich Willkommen!

Hast du schon einmal vom Ca de bestiar gehört? Oder vom Pastor Mallorquin? In diesem Blogpost von einer lieben Gastbloggerin erfährst du mehr über diese spannende und doch oft eher unbekannte Rasse.

Der Ca de bestiar – oder auch Pastor Mallorquin

Der Ca de bestiar ist eine hierzulande wohl eher wenig bekannte Rasse, wenngleich er sicherlich häufiger vorkommt als vermutet. Grund dafür ist, dass viele Ca de bestiar aus dem Auslandstierschutz als Labrador-Mischlinge vermittelt werden, sei es aus Unwissenheit oder weil sich ein Labrador eben leichter vermitteln lässt. Leider hat dies manchmal erhebliche Konsequenzen. Grund genug, diese wundervollen und doch manchmal schwierigen Hunde mal vorzustellen.

Ein bisschen Geschichte

Beginnen wir mit dem langweiligen Teil: So ganz genau weiß man gar nicht, woraus sich diese Rasse entwickelte. Doch vermutlich hat sich Dank der Insellage der Balearen aus verschiedenen Herdengebrauchshunden der Ca de bestiar entwickelt. Erst 1975, als die Rasse bereits auszusterben drohte, wurde ein Rassestandart festgelegt. Er gehört lt. FCI-Gruppe 1 zu den Hütehunden und Treibhunden. Rüden werden ca. 66-73 cm, Hündinnen 62-68 cm groß, das Haar ist kurz, anliegend, auf dem Rücken etwa 1,5 bis 3 cm lang, mit sehr feiner, auf der Haut anliegender, dünner Unterwolle. Bei der langhaarigen Varietät kann das Haar auf dem Rücken leicht gewellt sein und je nach Jahreszeit etwas mehr als 7 cm Länge erreichen; die Unterwolle ist gut verteilt und nicht dick, schwarz in unterschiedlichen Tönungen. Die Ohren stehen leicht geknickt seitlich ab, sind vergleichsweise klein, dreieckig, dick und hoch angesetzt. Die Farbe des Fells beschreibt die FCI folgendermaßen: „Die einzig zulässige Farbe ist Schwarz in seinen Tönungen Jett-, Normal- und Pechschwarz. Weiß ist nur auf der Brust zulässig, als dünne Krawatte unter dem Hals und an den Vorder- und Hinterpfoten (…)“. [Quelle: www.vdh.de]

Da der Ca de bestiar sowohl mit sehr hohen Temperaturen als auch mit Kälte sehr gut zurechtkommt, war er einige Zeit auch in Mittel- und Südamerika sehr beliebt. Seine Beliebtheit und die recht große Verbreitung erklärt auch, warum heute viele Pastor Mallorqiun im Tierschutz aus allen möglichen Ländern kommen und so auch oft verkannt werden.

So kamen wir zum Ca de bestiar

Doch nun zu uns. Mein Mann und ich haben uns 2017 entschieden, einen Hund in unsere keine Familie aufzunehmen. OK, eigentlich hab ich das entschieden und meinen Mann überredet. So hab ich mir also verschiedene Tierheime und Hunde angesehen und irgendwann stand da dieser 9monatige, schwarze Wirbelwind mit den sanften bernsteinfarbenen Augen und hat im Nullkommanichts mein Herz erobert. 

Ein Labrador-Mischling, vielleicht mit Podenco aus Griechenland. Bei den unzähligen Besuchen im Tierheim hat uns seine soziale und liebenswerte Art total überzeugt. Die Anmerkungen der Gassigänger, dass er aus irgendeinem Grund bei uns ja so lieb ist, wo er doch sonst bei jeder Hundebegegnung komplett ausflippt hab ich erstmal überhört. Schließlich weiß ich doch von Klein auf, wie man mit Hunden umgeht.

Kaum war er zuhause ging es auch schon los, er zeigte NULL Verhalten vom Labrador, war streitsüchtig mit fremden Menschen und Hunden, hat uns und unser Haus bewacht und die ein oder andere gefährliche Situation hervorgerufen. Also haben wir uns einen Hundetrainer gesucht. Die beste Erkenntnis hieraus war, dass er durchaus mit anderen Hunden auskommt und sogar sehr sozial ist und gerne spielt. An der Leine war davon nichts zu erkennen. Ansonsten konnten wir von diesem Trainer nicht viel mitnehmen, Filo hatte keine Lust, war bockig, hat die Mitarbeit verweigert und sogar Angst vor dem Trainer gezeigt. So haben wir es also bei einer anderen Trainerin versucht, die gewaltfrei arbeitet und auch viel Erfahrung mit Listen- und Problemhunden hat. Doch Filo erkannte sehr schnell, dass auch dies eine Trainerin ist, setzte sich hin und hat sich keinen Meter mehr bewegt. Später sollte ich lernen, dass diese Dickköpfigkeit und Sturheit durchaus rassetypisch sind. Wir haben also auch diese Trainerin ziehen lassen und haben selbst mit ihm trainiert. Er ist mit Spaß und Motivation dabei, lernt schnell und kann sich auch das Allermeiste merken. Gut, vorübergehendes pubertäres Reset des Gehirns mal außen vorgelassen.

Irgendwann fragte mich eine Frau auf einer Hundewiese, ob Filo wohl ein Ca de bestiar sei. Was? Nie gehört!
Schnell zuhause gegoogelt. Da hat doch jemand Fotos von meinem Hund ins Internet gestellt! Und die Rassebeschreibung passt wie Arsch auf Eimer! Der Groschen fiel und eine tolle Facebook-Gruppe hat uns in allem bestätigt. Da stand ich nun mit den neuen Erkenntnissen. Filo ist also der Schäferhund, den ich nie haben wollte! Ich las mich ein, fragte nach und die allermeisten seiner Verhaltensweisen konnten über die Rasse erklärt werden. Ich fing an, mit seinen Eigenheiten zu arbeiten statt dagegen und in wenigen Wochen hatten wir den (fast) perfekten Hund. Er schien so erleichtert und glücklich, dass wir ihn nun endlich verstanden und hat bei allem mitgemacht, was mir so einfiel. Anschlagen zuhause oder im Büro wurde fortan nicht mehr unterbunden, sondern ihm verständlich gemacht, dass wir den Grund dafür mitbekommen haben und uns nun darum kümmern. Er sah keinen Grund, weiterzumachen. Das nur als ein Beispiel.

Die Eigenschaften

Mittlerweile kann ich sagen, dass der Ca de bestiar ein hervorragender Wachhund ist, der seine Familie bis in den Tod verteidigt. Sein Haus und Hof werden mit beeindruckendem Ausdruck und Lautstärke bewacht, kein Fremder wird es wagen, ungebeten einzutreten, wenn der Hund von Baskerville mit der Stimme aus der Hölle vor ihm steht. Nun haben wir großes Glück, dass Filo sonst ein sehr aufgeschlossener und verschmuster Hund ist. Wenn wir also das OK geben wird jeder freudig und überschwänglich begrüßt und in die Familie aufgenommen, egal ob Mensch, Kind oder Hund. Nur Katzen, die sollten besser Abstand halten.

Eine weitere große Leidenschaft der allermeisten Ca de bestiar ist das Jagen, was Filo zu einem Leben an der Schleppleine verdammt. Zumindest die größeren Wildtiere sollen in Sicherheit leben können. Nur den Mäusen, denen kann ich nicht immer beistehen. Er liebt es zu buddeln und er ist durchaus erfolgreich darin, sich einen kleinen Zwischensnack zu erbeuten. Wenn man nun weiß, dass die mallorquinischen Schaf- und Ziegenhirten ihre Herde durchaus bis zu drei Tage mit den Hunden alleine lassen, lediglich zwei Stöcke in den Boden stecken, zwischen denen die Hunde ihre Herde halten, kann man auch den ausgeprägten Jagdinstinkt auf die Rasse zurückführen. Von irgendwas muss man ja drei Tage lang leben und ich kann Euch sagen, Filo verhungert schon, wenn eine seiner Mahlzeiten mal etwas später als gewohnt geliefert wird. Fressen ist neben dem Schutz seiner Familie sein Lebensinhalt. Wenn in weiter Ferne etwas Essbares zu erahnen ist setzen sämtliche Hirnaktivitäten, die auf Gehorsam und gutem Verhalten ausgerichtet sind, aus.

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Alles in Allem würde ich einem Hundeneuling niemals einen Ca de bestiar empfehlen, man benötigt schon eine gewisse Vorkenntnis, um sich auf diese Rasse einzulassen und auch mit ihm klar zu kommen. Auch Filo war vor uns schon einmal vermittelt und wurde wieder zurück ins Tierheim gebracht, weil die Adoptanten einfach nicht mir ihm zurechtgekommen sind.

Wenn man sich dann aber doch darauf einlässt und seine rassetypischen Eigenheiten, seine Sturheit und seinen Dickkopf richtig einzusetzen lernt bekommt man kaum einen treueren und lernwilligeren Hund als einen Ca de bestiar! Wenn er dann noch so verschmust ist wie unser Filo hat man das ganz große Los gezogen und wird ihn für kein Geld der Welt wieder hergeben! <3

Über die Gastbloggerin

Mein Name ist Christina, ich bin 40 Jahre alt und verheiratet. Aufgrund Filos Unverträglichkeiten gegenüber Industriefutter und Medikamenten habe ich mich weitergebildet und biete auf meiner Facebookseite CarniVita Tipps und Hilfestellungen zu den Themen Ernährung, Heilkräuter, Mykotherapie und Aromatherapie für Hunde an.

Bis Bald, eure Lychee mit Gastbloggerin!

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