Wie anstrengend ist der Job “Assistenzhund” wirklich?

Herzlich Willkommen!

2016 begann der Weg von Lychee – vom klassischen Schoßhund zum geprüften Assistenzhund. Heute, 4 Jahre später, ist sie bereits seit mehr als 2 Jahren geprüfter Assistenzhund und ich bin tierschutzqualifizierte Hundetrainerin, sowie geprüfte Katzenverhaltensberaterin. Natürlich habe ich auch regelmäßig mit anderen Assistenzhundeteams zu tun und mir nach Lychee’s letzter, ernsthafter, Erkrankung darüber Gedanken gemacht, wie anstrengend dieser Job wirklich ist.

Der Plan vs. die Realität

Als Lychee 2016 eingezogen ist habe ich einen Hund gewählt, welcher sich als Servicehund eignen sollte. Ein Servicehund arbeitet für einen Menschen mit Mobilitätseinschränkung. Lychee war klein, aber oho. Doch vielleicht zu “oho”?
2017 hatte ich im Sommer meine erste richtige Panikattacke. Das Lychee darauf sofort reagiert hatte, habe ich nicht verstanden. Genau so wenig, dass ich überhaupt eine Panikattacke hatte. Doch es kam immer und immer wieder. Und immer und immer wieder zeigte Lychee bereits bevor ich etwas gemerkt habe ein gewisses Verhalten.

Die Realität: dieser Hund ist sensibel.

Lychee hatte bereits sehr oft auf Dinge reagiert, die eigentlich einzig und allein mich betrafen. Doch diese Panikattacken konnte ich einfach selbst noch nicht richtig einschätzen und mein Hund war also unbewusst im Dauer-Bereitschaftsmodus.
Zum Glück habe ich dann doch – gegen Ende 2017 – verstanden, was los war, und Anzeigeverhalten endlich richtig belohnt.

Alltagssituationen

Doch natürlich ist ein Assistenzhund ein Hund wie kein anderer. Er darf an Orte mitkommen, wo es kein anderer Hund darf. Meine Panikattacken wurden nicht besser, sondern immer schlimmer. Und ich habe immer öfter Assistenzhunde getroffen, welche in Alltagssituationen Stressverhalten gezeigt haben, weil sie in Dauer-Bereitschaft waren. Auch Lychee war genau so.

Ende letzten Jahres passierte dann das, wovor ich am meisten Angst hatte: ich musste aufgrund einer Panikattacke ins Krankenhaus. Ich hatte wieder einmal nicht auf Lychee ihr Anzeigeverhalten reagiert, habe es ignoriert, und fiel in eine mehrstündige Panikattacke aus der mich selbst Lychee nicht raus holen konnte. Im Krankenhaus war sie zum Teil mit, aber nicht ständig. Das wäre tatsächlich zu stressig gewesen. Obwohl sie Arztbesuche eigentlich liebt.

Pausen für den Hund

Diese Hunde brauchen Pausen. Das Problem: ganz oft leben sie alleine mit ihrem Besitzer – genau so wie ich und Lychee – und kommen nie zum abschalten. Denn selbst wenn diese Hunde schlafen sind sie jederzeit einsatzbereit, obwohl sie sich immer und überall entspannen. Ja, sie sind 24/7 im Dienst – selbst dann, wenn sie gerade mit einem anderen Hund spielen, wird ein Assistenzhund der seinen Job liebt, diesen auch machen, wenn es sein muss. Bei einem Servicehund oder Blindenführhund kann man da ja gut sagen “Ich brauch nun einfach nichts, während die Hunde spielen.”, aber Unterzucker, Panikattacken, und Co. kommen auch mal mitten im Spiel mit einem Artgenossen.

Die Lösung: dieser Hund MUSS auch einfach mal weg vom Besitzer / der Besitzerin.
Ansonsten sind sie indirekt im Dauereinsatz.

Weg vom Besitzer / der Besitzerin

Das Problem: ganz viele Hunde haben genau das nie gelernt.
Hier habe ich von Anfang an – wahrscheinlich unbewusst – eines richtig gemacht: Lychee kam immer mal wieder kurzzeitig zu meinen Eltern wenn ihr Trainingsstatus für einen gewissen Urlaub noch nicht gereicht hat. Außerdem habe ich sie auch bei Schlechtwetter beziehungsweise Schnee immer mal wieder mit anderen Personen spazieren geschickt welche auch für Spiele mit Artgenossen gesorgt haben.

Ist mein Hund im Dauereinsatz?

Wie bereits weiter oben erwähnt können Hunde sehr gut “schlafen” ohne dabei komplett offline zu sein. Deshalb ist es mir als Trainerin und Assistenzhundetrainerin auch so wichtig, dass diese Hunde lernen, irgendetwas ohne den eigentlichen Assistenzhundebesitzer zu erleben und zu machen.
Die Person, die dafür ausgewählt wird, sollte sogenannte eigene Qualitäten haben. Bedeutet: während der Assistenzhundebesitzer zum Beispiel für Futter und Co. zuständig ist, ist die andere Personen für den Spaß usw. zuständig.

Stelle Dir also mal folgende Fragen / beachte folgende Dinge:

  • In Therapiesitzungen ist Dein Hund nie zu 100% entspannt und schaut Dich immer wieder an?
  • Dein Hund löst sich selbst aus Spielsituationen auf um Dir Assistenzleistungen zu zeigen?
  • Dein Hund zeigt Stresssignale wie zum Beispiel sich über die Lippe schlecken, hecheln, die Pfote anheben?
  • Dein Hund löst sich aus Signalen selbstständig auf um Dir wieder anzuzeigen?
  • Dein Hund geht nur ungern mit anderen Personen mit um spazieren zu gehen?
  • Dein Hund kann nicht alleine bleiben?

Das sind nur ein paar Signale, auf welche Du achten kannst.

Versteh mich bitte nicht falsch: diese Hunde sind genau dafür ausgebildet, diese Dinge anzuzeigen, dennoch kann es zu massiven Stresssituationen und auch gesundheitlichen Folgen kommen, wenn wir nicht auf die nötigen Pausen achten. Und wenn Du glaubst, dass ein Hund der gerade spielt, sicher nicht anzeigen wird, hast Du dich wahrscheinlich getäuscht. Denn diese Hunde nehmen ihren Job sehr ernst, wenn sie mittels positiver Verstärkung trainiert wurden.

Mehr über mein Assistenzhundetraining findest du HIER

Bis Bald,
Dein Coach für Mensch&Tier,
Laura

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