Viele Katzenhalter:innen wünschen sich eine entspannte, gut funktionierende Beziehung zu ihrer Katze – doch oft entsteht Frust, weil Katzen scheinbar „nicht hören“. Der Kern des Problems liegt meistens darin, dass Katzen intuitiv mit Hunden verglichen werden.
Doch Katzen sind keine kleinen Hunde.
Sie denken anders, lernen anders – und zeigen Kooperation auf ihre ganz eigene Weise.
Wenn Du verstehst, wie Katzen wirklich ticken, eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten für erfolgreiches, liebevolles und stressfreies Training.
1. Warum Katzen ein anderes Lernverhalten haben als Hunde
Katzen sind selbstständige Einzeljäger
Katzen sind genetisch darauf ausgelegt, allein zu jagen und eigenständig Entscheidungen zu treffen. Sie handeln immer aus einem persönlichen Nutzen heraus – nicht aus dem Wunsch, einem Menschen zu gefallen.
Das heißt:
Eine Katze setzt nur das Verhalten um, das für sie selbst einen Sinn ergibt.
Hunde hingegen sind kooperative Sozialpartner
Hunde leben in Gruppen und sind auf Zusammenarbeit ausgelegt. Jahrtausende der Domestikation haben dieses Verhalten weiter verstärkt. Für Hunde ist es daher selbstverständlich, mit Menschen gemeinsam zu arbeiten.
Fazit für Dich:
Erwarte von einer Katze nicht denselben Kooperationswillen wie von einem Hund.
Sie folgt Dir, wenn die Motivation stimmt.
2. Was beim Katzentraining oft schief geht
Viele Menschen versuchen unbewusst, Methoden aus dem Hundetraining auf Katzen zu übertragen – und genau das führt zu Problemen.
Typische Fehler:
- zu laute oder hektische Kommandos
- zu lange Trainingseinheiten
- zu wenig Motivation aus Sicht der Katze
- Bestrafung oder Schimpfen bei „Ungehorsam“
- übermäßige Nähe oder Körperkontakt in ungünstigen Momenten
Katzen reagieren auf Druck, Stress oder Frustration mit Rückzug – nicht mit Kooperation.
Erfolgreiches Training darf niemals gegen ihren Willen stattfinden.
3. So funktioniert erfolgreiches Katzentraining – sanft und effektiv
1. Arbeite ausschließlich mit positiver Verstärkung
Katzen lernen am schnellsten, wenn erwünschtes Verhalten zu etwas Angenehmem führt.
Belohnungen können sein:
- hochwertige Leckerli
- Clicker oder Markerwort
- eine kurze Spielsequenz
- Zugang zu etwas, das sie lieben (Fensterplatz, Karton, Lieblingsspielzeug)
Wichtig:
Die Belohnung muss innerhalb von 1–2 Sekunden erfolgen, sonst versteht die Katze den Zusammenhang nicht.
2. Halte Trainingseinheiten super kurz
Die Aufmerksamkeitsspanne einer Katze ist kürzer als die eines Hundes.
Ideal sind:
- 1–3 Minuten Training,
- dafür mehrmals am Tag kleine Sessions.
So bleibt die Motivation hoch.
3. Finde heraus, was Deine Katze wirklich motiviert
Nicht jede Katze liebt dieselbe Belohnung. Manche stehen auf Futter, andere auf Spielzeug, wieder andere auf bestimmte Rituale.
Teste verschiedene Optionen:
- weiche Snacks
- Katzenpaste
- Federangel
- Clickertraining
- verbale Bestätigung (bei sehr menschenbezogenen Katzen)
Wenn Du die perfekte Belohnung findest, wird Deine Katze plötzlich überraschend engagiert.
4. Respektiere den Rhythmus und die Grenzen Deiner Katze
Katzentraining funktioniert nur in einem entspannten emotionalen Zustand.

Anzeichen dafür, dass Deine Katze bereit ist:
- aufrechter Schwanz
- entspannte Körperhaltung
- interessiertes Schnuppern
- neugieriger Blickkontakt
Zeichen für „Ich brauche Pause“:
- wegdrehen
- Ohren anlegen
- Schwanz zuckt nervös
- vergrößerte Pupillen
- Weglaufen
Wenn Deine Katze kein Interesse zeigt, brich die Einheit ab.
Zwang zerstört Vertrauen – Freiwilligkeit schafft Erfolg.
4. Was Du Deiner Katze beibringen kannst
Viele Katzenhalter:innen unterschätzen, wie lernfähig Katzen tatsächlich sind. Du kannst Deiner Katze zum Beispiel beibringen:
- auf ihren Namen zu reagieren
- in die Transportbox zu gehen
- Pflegeroutinen zu tolerieren (z. B. Bürsten)
- kleine Tricks wie High Five, Sitz oder Drehung
- Stresssituationen besser zu bewältigen
- an der Leine zu laufen
- Clickertraining zu lieben
Je katzengerechter Du trainierst, desto schneller lernst Du:
Katzen lernen nicht weniger – sie lernen anders.
5. Die Vorteile von Katzentraining im Alltag
Wenn Du regelmäßig kurze, motivierende Trainingseinheiten einbaust, profitierst Du langfristig:
- weniger Stress beim Tierarzt
- bessere Kommunikation zwischen Dir und Deiner Katze
- mehr Sicherheit in neuen Situationen
- mehr mentale und körperliche Auslastung, vor allem bei Wohnungskatzen
- eine engere Bindung
Training schafft Vertrauen – und Vertrauen schafft Harmonie.
Fazit: Katzen sind nicht wie Hunde – und genau das macht sie so faszinierend
Statt die Katze wie einen Hund zu trainieren, solltest Du ihre natürlichen Bedürfnisse respektieren. Wenn Du verstehst, wie Katzen denken, wird Training plötzlich leicht, effektiv und richtig schön.
Mit Geduld, positiver Verstärkung und einem tiefen Verständnis für ihre Persönlichkeit kannst Du mehr erreichen, als Du vielleicht glaubst.
Tierische Grüße,
Dein Coach für Mensch&Tier,
Laura mit Lychee, Kiwi & Berry